Mehr und mehr drängen Sprachassistenten wie Siri, Alexa, Cortina oder Bixby in unser Alltagsleben ein. Ob es sich dabei um Fluch oder Segen handelt, entscheiden die Nutzer oft selbst. Das eine Lager sieht einen Mehrwert an Freiheit und Flexibilität und fühlt sich wie Jean Luc Picard auf der Enterprise. Andere Personen halten die Sprachassistenten für eine Bedrohung der Privatsphäre, schließlich kann der Nutzer nicht überprüfen, welche Daten und Informationen wirklich an die Konzerne gesendet werden und wie diese ausgewertet werden.

Trotz der Bedenken hat sich das Bildungsministerium des Landes NRW für ein Pilotprojekt mit Sprachassistenten an Schulen entschlossen. „Keating“, so der Name des schulischen Sprachassistenten soll Lehrerinnen und Lehrer entlasten und unterstützen, für eine flexiblere Unterrichtsgestaltung sorgen und zusätzlich den Organisationsalltag erleichtern. All das hört sich erst einmal nach großen Versprechungen an, wie sie oft von internationalen Konzernen gemacht werden, doch es kann auch geliefert werden.

Die erste Einheit ist heute am Helmholtz-Gymnasium geliefert worden. Diese Schule wurde auf Grund besonderer Rahmenbedingungen und einer sehr engagierten Schüler-, Eltern- und Lehrergemeinschaft als Versuchsschule vom Land NRW ausgewählt. „Es sei ein gutes Zeichen, dass die engagierte Arbeit am Helmholtz-Gymnasium wertgeschätzt wird“, bemerkt der Schulleiter Herr Dr. Bennhardt.

Herr Althoff hat das Produkt einen ersten Test unterzogen und zeigt sich sichtlich interessiert: „Keating hat das Potential, dass wir Lehrerinnen und Lehrer uns wieder auf das ‚Kerngeschäft’ des Unterrichtens konzentrieren können.“ Verbunden mit dem Netz und einem hinterlegten Stundenplan erkennt Keating direkt, welche Informationen und Hilfen vorrangig wichtig sind. Außerdem ist es möglich durch einfache Sprachbefehle direkt fehlende Schülerinnen und Schüler in das zukünftig elektronische Klassenbuch einzutragen oder Termine für Klassenarbeiten, Ausflüge oder Sprechtage zu hinterlegen. Keating kann jederzeit von Schülerinnen und Schülern gefragt werden, das gilt für schülerrelevante Informationen wie Ausflüge, Klassenarbeiten oder Sprechtage, wie auch für Vokabel- oder Fachfragen.

Die Entwickler haben versprochen, dass das erste Update schon in der kommenden Woche eingespielt wird. Dann erweitert sich der Funktionsumfang noch einmal gewaltig. Keating ist dann in der Lage auch synchron Gespräche zu übersetzen. Gespräche mit Eltern aus Migrationsfamilien oder Flüchtlingen ist dann noch einfacher für alle beteiligten.

Aber abgesehen von den Bedenken bezüglich des Datenschutz hat Herr Althoff noch eine weitere Sonderheit bei Keating festgestellt. „Bisherige Sprachassistenten wie Alexa, Siri und Co hören auf ihre Namen. Mit ‚Hallo Siri’ kann ich sie direkt ansprechen. Das ist bei Keating anders. Dieser Sprachassistent wird über ‚Oh Captain! mein Captain!’ aktiviert, was doch sehr seltsam ist“, so der Pädagoge.

 

Änderung 2.4.17: Dies ist der Aprilscherz von 2017. Technisch ist ein solcher Sprachassistent möglich. Datenschutzrechtlich jedoch äußerst bedenklich. Viele der Sprachassistenten "lauschen" die gesamte Zeit um die entsprechenden Signalworte zu hören. Das scheint erst einmal nicht schlimm zu sein, aber bei Sprachassistenten bedeutet "lauschen" nichts anderers als: Alles gesprochene wird aufgenommen, zu Serverfarmen geschickt und dort auf Befehle für den Sprachassistenten analysiert. Es ist also ein leichtes, diese Analyse der aufgenommenen Unterhaltung um ein paar Parameter zu erweitern.

Sprachassistenten sind nicht gänzlich "Das Werk des Bösen", sie bieten viele Vorteile. Sind diese Vorteile als "Gegenwert" ausreichend um die Nachteile zu kompensieren, so macht es auch Sinn sie zu nutzen. Außerdem gibt es die Funktion bei allen Assistenten, dass sie nur reagieren, wenn man eine Taste drückt und das Mikro aktiviert. Diese Option ist nur bei der Voreinstellung deaktiviert.

Übrigens bewegen wir uns bei den Sprachassistenten nicht zwingend im Orwellschen "1984" - wir können (noch?) selbst entscheiden, ob und wie wir uns überwachen lassen.